Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen. Klingt nach Bastelprojekt für Leute mit zu viel Zeit. Dabei macht das inzwischen sogar ein Startup kommerziell: ChoViva stellt echte Schokolade aus Sonnenblumenkernen her. stellt echte Schokolade aus Sonnenblumenkernen her. Mit synthetischer Kakaobutter aus dem Chemielabor. Clever, aber zuhause nicht machbar. Ich hab mir gedacht: Ein Chemielabor hab ich keins. Deswegen kann ich schon einmal keine Schokolade nachbauen. Aber Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen? Das krieg ich hin. Sonnenblumenkerne geschnappt, Hafer dazu, und los ging’s.
Kakao vs. Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen. Der direkte Vergleich
Bevor ich zum Rezept komme: Hier kurz der Unterschied zwischen klassischem Kakao und dem, was dabei rauskommt, wenn du Sonnenblumenkerne röstest.
Die Kombination von Hafer und Sonnenblumenkernen ist kein Zufall. Hafer bringt süßlich-malzige Röstaromen, Sonnenblumenkerne nussige Tiefe. Zusammen entsteht etwas, das näher an Kakao herankommt als jede Zutat allein. Und der Hafer macht das Pulver im Mund etwas runder und weniger bitter.
Was ebenso ist wie bei der Herstellung von echtem Kakao: Der schokoladenähnliche Geschmack entsteht nicht während der Fermentation. In meinem Versuch entwickelten sich die charakteristischen Aromen erst beim Rösten. Die Fermentation ist eher Vorbereitung als Hauptakt.
Warum Hafer + Sonnenblumen im Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen?
Die Kombination aus Hafer und Sonnenblumenkernen ist kein Zufall. Viele Schokoladen-Ersatzprodukte nutzen genau dieses Duo und das aus guten Gründen:
- Hafer bringt süßlich-malzige Röstaromen, die an Karamell erinnern.
- Sonnenblumenkerne liefern nussige, tiefe Röstaromen.
- Zusammen entsteht ein komplexes Aromaprofil, das näher an Kakao erinnert als jede Zutat allein.
- Hafer sorgt für eine leicht cremige Textur im Mund. Das macht das Pulver runder und weniger bitter.
Kann ein Schokoladenersatz aus Sonnenblumenkernen mit echter Schokolade mithalten? Der Vergleich beginnt bei den Zutaten.
Fermentieren für besseres Aroma im Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen
Beim Kakao ist die Fermentation ein entscheidender Schritt: Erst dadurch entwickeln sich die typischen Aromen, die wir später als Schokolade kennen. Gute Nachricht: Auch Sonnenblumenkerne und Hafer kannst du fermentieren. Und das ist gar nicht kompliziert.
- Mit Fermentation (Königsklasse): Der Hafer und die Sonnenblumenkerne werden vor dem Rösten gezielt verändert. Die eigentlichen schokoladenähnlichen Röstaromen entstehen jedoch erst beim anschließenden Rösten.
- Ohne Fermentation (schnelle Variante): Rösten alleine bringt nussig-schokoladige Noten, perfekt für Ungeduldige.
Die Gläser werden während der Fermentation mit einem Tuch abgedeckt.
Während der Fermentation entstehen Aromen, die später an Kakao und Schokolade erinnern können.
So fermentierst du Sonnenblumenkerne & Hafer
So geht die Fermentation konkret:
Mit 200 ml Zuckerwasser (200 ml Wasser + 1 TL Zucker) nur so weit anfeuchten, dass die Körner feucht-klebrig sind – kein „See“ im Glas.
½ TL Zitronensaft oder 1–2 TL naturtrüber Apfelessig → hemmt Keimen, fördert Fermentation.
1 EL Flüssigkeit von Sojajoghurt enhält → projiotische Kulturen und beschleunigt die Fermentation
Dauer: 2 Tage, maximal 3 Tage (länger → Kerne keimen).
Täglich umrühren, ggf. mit Sprühflasche leicht nachfeuchten.
Körner sind feucht, aber nicht matschig.
Während der Fermentation entsteht noch kein ausgeprägter Schokoladengeruch. Die für den Kakao-Ersatz typischen Röstaromen entwickeln sich erst später beim Rösten.
Es riecht säuerlich-brotig, leicht malzig. Körner sind feucht, aber nicht matschig. Während der Fermentation entsteht noch kein ausgeprägter Scholadengeruch. Unsicher, ob dein Ansatz gut riecht oder schlecht? Hier findest du Orientierung:
Wenn du mit dem Fermentieren noch nicht vertraut bist, lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen: „Fermentieren für Anfänger – Grundlagen, Sicherheit & erste Schritte einfach erklärt“.
Du kannst auch ohne Fermentation direkt rösten. Das geht schneller und bringt nussig-schokoladige Noten. Die Fermentation davor macht das Aroma komplexer, ist aber kein Muss.
Rösten für intensives Aroma im Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen
Geröstet wird, bis es dunkel und nussig-schokoladig riecht. Was dabei passiert: die Maillard-Reaktion. Eiweiß und Zucker reagieren bei Hitze miteinander, das Ergebnis ist die braune Farbe und der typische Röstgeschmack. Ohne sie schmeckt das Pulver nach Müsli. Mit ihr nach Schokolade.
Konkrete Röstanleitung
Im Ofen:
- Backofen auf 160 °C vorheizen.
- Sonnenblumenkerne und Hafer getrennt auf Backpapier geben.
- 20–30 Min rösten, alle 5 Min umrühren.
- Ziel: Sonnenblumen dunkelbraun, Hafer mittel- bis dunkelbraun.
Im Topf (mehr Kontrolle):
- Gusseiserne Pfanne oder schweren Topf erhitzen.
- Kerne/Hafert getrennt ohne Öl rösten.
- Permanent rühren.
- Nach 8–12 Min: tiefe Bräunung, nussig-kaffeeartige Röstaromen → fertig.
Röstspektrum (visuelle Skala für dein Blog)
Hell und beige (Stufe 1) bedeutet: roh, schmeckt nach Müsli. Goldbraun (Stufe 2) riecht es schon besser, aber noch getreidig. Mittelbraun (Stufe 3) ist nussig und angenehm, aber noch kein Kakao. Ziel ist kräftig dunkelbraun (Stufe 4): da entstehen die ausgeprägten Röstaromen, leicht schokoladig. Schwarz (Stufe 5) ist zu weit, das schmeckt nur noch bitter. Am besten mischst du 70 % dunkel mit 30 % mittelbraun. So wird das Aroma rund, ohne zu viel Bitterkeit.
Stufe 1: Nach der Fermentation ist der Hafer noch hell und entwickelt erst beim Rösten sein Aroma.
Stufe 2: Die ersten goldbraunen Röstaromen entstehen.
Stufe 3: Der Hafer wird deutlich dunkler und entwickelt kräftige nussige Noten.
Stufe 4: Zielzustand für meinen Schokoladenersatz. Der Hafer ist kräftig geröstet, aber noch nicht verbrannt.
Mahlen & Verwenden
Nach dem Rösten komplett abkühlen lassen, erst dann mahlen. Kaffeemühle oder Hochleistungsmixer funktionieren gut. Danach durchsieben, grobe Stücke nochmal drurch. Eines solltest du wissen: Sonnenblumenkerne enthalten viel Öl. Das Pulver wird nie so fein und pudrig wie echtes Kakaopulver. Das ist normal, kein Fehler.
Realitäts-Check: So schmeckt’s wirklich
Es schmeckt nicht hundert prozentig wie Kakao. Das war von Anfang an klar. In meinem Versuch war der Unterschied deutlich: Vor dem Rösten schmeckte der fermentierte Hafer überwiegend nach Getreide. Erst durch intensive Röstung entwickelte sich ein Aroma, das tatsächlich an Kakao erinnerte. Mit Zucker gemischt erstaunlich nah dran. Ich fand es wirklich interessant. Meine Kinder nicht. Die fanden es zu bitter und mochten es pur gar nicht.
Für Erwachsene funktioniert es gut mit etwas Zucker, Vanille oder Zimt. Das macht das Aroma runder. Kinder überzeugt man eher, wenn man es in Kuchen, Muffins oder Brownies einarbeitet, statt es pur in die Tasse zu geben. Und wer einen cremigen Drink will, rührt es mit Pflanzenmilch oder Wasser und einen Schuss Pflanzensahne unter.
Aus dem fertigen Pulver lässt sich ein aromatisches Heißgetränk zubereiten.
Haltbarkeit & Lagerung
Im Kühlschrank hält das Pulver mindestens vier bis sechs Wochen, in der Praxis oft deutlich länger. Meins war nach einem Jahr im Kühlschrank noch gut. Entscheidend ist ein luftdicht verschlossenes Glas und ein kühler, dunkler Platz. Im Gefrierfach hält es sich auf jeden Fall mehrere Monate. Bei Raumtemperatur nur etwa zwei Wochen.
Der Haken bleibt: Sonnenblumenkerne enthalten viel Fett. Ranzigkeit erkennst du am stichig-seifigen Geruch. Solange es gut riecht, ist es gut.
Rechtliche Lage
Darf das „Kakao“ heißen? In der EU sind die Begriffe „Kakao“ und „Schokolade“ rechtlich geschützt. Ersatzprodukte aus Hafer oder Sonnenblumenkernen dürfen nicht so heißen. Deshalb steht auf kommerziellen Produkten meist „Kakao-Alternative“ oder „Schokoladen-Ersatz“. Bei selbstgemachtem Pulver für den Eigengebrauch ist das natürlich egal. Mehr dazu bei Wikipedia zur kakaofreien Schokoladenalternative.
Verwendungsmöglichkeiten
Am einfachsten: zwei bis drei Teelöffel in heiße Pflanzenmilch einrühren. Koffeinfrei, warm, schokoladig genug für einen Nachmittag. In Brownies, Muffins oder Kuchen funktioniert es gut als Kakao-Ersatz. Als Topping auf Porridge oder Smoothies macht es sich auch.
Fazit: Lohnt sich Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen wirklich?
Schmeckt es wie Kakao? Nein. Ist es trotzdem einen Versuch wert? Ja, wenn du neugierig bist, wissten willst, wo deine Zutaten herkommen und kein Problem damit hast, dass das Ergebnis etwas anders schmeckt als erwartet.
Mehr Rezepte und Anleitungen rund ums Fermentieren findest du hier: „Fermentieren – Anleitung, Sicherheit & Rezepte“.

Kakaopulver aus Sonnenblumenkernen & Hafer (mit Inulin)
Zutaten
- 150 g 150 g geschälte Sonnenblumenkerne
- 100 g 100 g Haferkörner
- ½ TL Zitronensaft
- 1 EL Flüssigkeit von Sojajoghurt
- 2-3 EL 2–3 EL Inulin (oder 20–30 g Haferdrinkpulver)
- 200 ml Wasser + 1 TL Zucker (Für den Aufguss einer Tasse)
Anleitungen
- Kerne + Hafer in ein Glas geben, mit Zuckerwasser befeuchten (feucht, nicht schwimmend).
- Mulltuch drüber, 2 Tage bei 25–30 °C fermentieren, täglich umrühren.
- Rösten (Ofen oder Topf) bis tiefbraun (Stufe 4).
- Abkühlen lassen, fein mahlen, durchsieben.
- Inulin oder Haferdrinkpulver einrühren, optional mit Gewürzen mischen.
- Alles zusammen noch einmal kurz mahlen, damit sich das Pulver gleichmäßig verbindet.



















