Wer anfängt einzukochen, landet früher oder später bei einem elektrischen Gerät. Ich auch. Mein Einkochautomat ist riesig, wuchtig und stand am Anfang meiner Einkochreise für eine einzige Überzeugung: Den musst du dafür einfach haben. Da geht kein Weg dran vorbei. Nur so klappt das mit den großen Mengen.
Dann habe ich die Nachteile kennengelernt. Ich folge beim Wasserbad-Einkochen nicht der in Deutschland üblichen Methode, sondern US-amerikanischen Empfehlungen. Das bedeutet: Den Topf nicht nur bis zur Hälfte oder zum Drittel des Glases mit Wasser befüllen, sondern 2,5 bis 5 cm über den Glasdeckel. Die Idee dahinter: alles, selbst der Deckel wird gleichmäßig erhitzt. Das macht den Aufwärmprozess in einem riesigen Einkochautomaten allerdings sehr lang. Und den Topf noch schwerer als er ohnehin schon ist. Außerdem startet die Zeitschaltuhr bei meinem Gerät eines namenhaften Herstellers erst, wenn die Zieltemperatur erreicht ist. Bei Rezepten unter 20 Minuten Einkochzeit ist das ein Problem.
Dazu kommt: Der Automat braucht deutlich mehr Platz als ein normaler Kochtopf. Und wegen der Elektrik ist er etwas komplizierter zu reinigen. Ich benutze ihn jetzt seit Jahren nicht mehr. Er fängt nur Staub. Ehrlich gesagt möchte ich ihn nur noch loswerden, schon allein, um mehr Lagerraum für Eingekochtes zu haben.
Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Denn viele Menschen wissen gerade zu Beginn nicht, was sie fürs Einkochen wirklich anschaffen sollten. Und sie werfen völlig unterschiedliche Geräte in einen Topf. Dadurch entstehen Missverständnisse, die im schlimmsten Fall sogar Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit haben können.
Die kurze Antwort vorweg: Ein elektrischer Einkochautomat ist nicht gefährlich, aber unnötig. Ein Instant Pot ersetzt keinen Pressure Canner. Und bei elektrischen Pressure Cannern ist die Situation deutlich komplizierter, als viele Hersteller es darstellen.
Nicht jedes elektrische Einkochgerät macht dasselbe
Wenn von „elektrischem Einkochen“ gesprochen wird, meinen Menschen oft völlig unterschiedliche Geräte.
Dabei gibt es große Unterschiede:
Genau deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, ob elektrische Einkochgeräte gut oder schlecht sind. Jedes Gerät verdient eine eigene Betrachtung. Wenn du grundsätzlich neu im Thema bist, findest du in Einkochen für Anfänger: Grundlagen, Sicherheit & ein entspannter Einstieg einen Überblick über die wichtigsten Methoden und Sicherheitsregeln.
Braucht man überhaupt einen elektrischen Einkochautomaten?
Nein. Und ich sage das nicht, weil ich meinen Einkochautomaten nicht mag. Ich sage es, weil ich nach Jahren der Nutzung keinen einzigen Vorteil sehe, den er gegenüber einem ausreichend großen Kochtopf hätte.
Wasser bleibt Wasser. Ob du einen großen Topf auf dem Herd verwendest oder einen Einkochautomaten, beim Wasserbad-Einkochen erreicht das Wasser ungefähr dieselbe Temperatur. Für Marmeladen, Gelees, Chutneys, Fruchtsaucen oder andere säurehaltige Lebensmittel entsteht dadurch kein Sicherheitsvorteil. Die Sicherheit kommt durch getestete Rezepte, korrekte Einkochzeiten und ausreichende Säure und nicht durch das Gerät. Wie das Einkochen im Wasserbad richtig funktioniert, erkläre ich dort ausführlich.
Ein großer Kochtopf kann außerdem noch viele andere Aufgaben übernehmen. Er kocht Pasta, Brühe, Suppen oder Eintöpfe. Der Einkochautomat hat dagegen genau eine Aufgabe. Und wenn du nicht einkochst, steht er im Weg und fängt Staub.
Die Nachteile von Einkochautomaten, über die selten gesprochen wird
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es sind genau diese Punkte, die mich letztlich dazu gebracht haben, meinen Automaten in die hinterste Ecke zu verbannen:
- Langer Aufwärmprozess: Wer nach US-amerikanischen Empfehlungen einkocht und das Wasser 2,5–5 cm über den Glasdeckel füllt, wartet beim riesigen Automaten sehr lange, bis die Temperatur erreicht ist. Die Zeitschaltuhr startet erst dann. Rezepte unter 20 Minuten Einkochzeit sind schwerer umzusetzen.
- Volumen und Gewicht: Ein voller Einkochautomat ist schwer und wird mit der nötigen Wassermenge noch schwerer. Wer ihn alleine befüllt, aufstellt und wieder wegräumt, merkt das.
- Platzbedarf: Er braucht deutlich mehr Stellfläche als ein normaler Kochtopf und muss das ganze Jahr für wenige Einsätze gelagert werden. Platz, der für fertige Einkochwaren oder anderes Werkzeug sinnvoller genutzt wäre.
- Reinigung: Wegen der Elektrik ist die Reinigung etwas umständlicher als bei einem einfachen Topf. Wasser und Elektronik vertragen sich bekanntlich nicht.
- Kosten: Je nach Modell zwischen etwa 70 und über 200 Euro. Geld, das du in gute Gläser, hochwertige Zutaten oder einen Einkochrost investieren kannst.
- Der Automat übernimmt nur das Erhitzen des Wassers: Gläser vorbereiten, Lebensmittel verarbeiten, Rezepte einhalten, befüllen, reinigen und kontrollieren – das nimmt dir der elektrische Automat leider nicht ab. Es bleibt alles so oder so an dir hängen.
Kurz gesagt: Der Einkochautomat löst kein einziges Problem, das ein großer Kochtopf nicht genauso lösen würde und schafft dafür ein paar neue. Welcher Topf fürs Wasserbad-Einkochen der richtige ist und was du beim Kauf beachten solltest, erkläre ich im Artikel „Einkochtopf – Finde den richtigen für dich“.
Instant Pot und Multikocher: Hier wird es kritisch
Ich stelle mir den Instant Pot manchmal als die amerikanische Antwort auf den Thermomix vor, zumindest ein bisschen. Er kocht dein Essen, ohne dass du den Prozess ständig überwachen musst. Das ist wirklich praktisch.
Aber er ist kein Einkochgerät. Er wurde nicht dafür entwickelt, und er ist nicht für die sichere Haltbarmachung in Gläsern ausgelegt, weder fürs Druckeinkochen noch fürs Wasserbad-Einkochen. Denn dafür fehlen schlicht die Voraussetzungen: kein ausreichendes Wasservolumen, kein Einkochrost, keine Möglichkeit, Gläser vollständig mit Wasser zu bedecken. Das National Center for Home Food Preservation (NCHFP) der University of Georgia, DIE wissenschaftliche Anlaufstelle für sicheres Einkochen, schließt ihn für beide Methoden ausdrücklich aus.
Das NCHFP empfiehlt seine getesteten Druckeinkochverfahren gemeinsam mit der amerikanischen Landwirtschaftsbehörde (USDA) nicht für elektrische Multikocher. Eine Empfehlung existiert nicht etwa, weil die Geräte grundsätzlich schlecht wären, sondern weil die Einkochzeiten für klassische Pressure Canner entwickelt wurden. Temperaturverläufe, Wärmeverteilung, Aufheiz- und Abkühlphasen sind andere als bei elektrischen Geräten und genau darauf beruhen die Sicherheitsberechnungen. Ein konkretes Beispiel: Kartoffeln einkochen geht nur sicher im Pressure Canner. Ein Instant Pot reicht dafür nicht aus.
Ein Instant Pot ist ein praktisches Küchengerät. Aber er ist kein Einkochgerät, und du solltest ihn nicht als solches einsetzen. Warum das beim Druckeinkochen säurearmer Lebensmittel so wichtig ist, erkläre ich ausführlicher im Artikel Was ist Botulismus und was kannst du dagegen tun?.
Ein Multikocher ist praktisch – aber er ist kein Einkochgerät. Weder fürs Wasserbad noch fürs Druckeinkochen.
Elektrische Pressure Canner: Meine persönliche Einschätzung
Elektrische Pressure Canner sind für mich die neueste Entwicklung beim Druckeinkochen. Ehrlich gesagt verstehe ich den Reiz dieser Geräte. Die Vorstellung, Gläser zu befüllen, ein Programm auszuwählen und den Rest der Elektronik zu überlassen, klingt verlockend. Kein Manometer. Kein Gewichtsventil. Kein Nachregeln der Herdplatte. Gerade für Einsteiger wirkt das deutlich einfacher als ein klassischer Pressure Canner. Wie ein klassischer Pressure Canner im Vergleich dazu funktioniert und was beim Druckeinkochen wirklich zu beachten ist, erkläre ich in der Anleitung zum Einkochen im Pressure Canner.
Einige Hersteller elektrischer Pressure Canner werben damit, dass ihre Geräte USDA-Richtlinien erfüllen oder für das sichere Druckeinkochen geeignet seien (Presto). Der Extension Service der Penn State University verweist darauf, dass dem NCHFP die zugrunde liegenden Herstellerstudien nicht vorliegen. Die Angaben des Herstellers könnten daher nicht unabhängig überprüft werden. Aus diesem Grund wird in dem Beitrag keine Empfehlung für elektrische Pressure Canner ausgesprochen (Penn State Extension).
Deswegen greife ich persönlich weiterhin lieber zu einem klassischen Pressure Canner auf dem Herd. Der Grund liegt nicht nur in der fehlenden Sicherheit-Emfehlung, sondern auch in der Technik selbst. Ein klassischer Pressure Canner ist erstaunlich simpel aufgebaut. Ein großer Metalltopf, ein Deckel, ein Dichtungsring oder eine Metall-Metall-Verbindung, ein Manometer oder Gewichtsventil. Viele dieser Geräte funktionieren jahrzehntelang. Es gibt All American Pressure Canner, die seit mehreren Generationen im Einsatz sind. Selbst bei vielen älteren Presto-Geräten lassen sich Verschleißteile problemlos austauschen.
Bei einem elektrischen Pressure Canner sieht das anders aus. Dort arbeiten Sensoren, Elektronik, Steuerplatinen und Programme im Hintergrund. Fällt eines dieser Bauteile aus, lässt sich das Gerät in der Regel nicht selbst reparieren. Oft bleibt dann nur der Kundendienst oder ein Austausch des gesamten Geräts. Hinzu kommt, dass der angebliche Komfortgewinn für mich persönlich kleiner ausfällt, als die Werbung vermuten lässt. Bei einem klassischen Pressure Canner stelle ich den Druck am Anfang ein und kontrolliere gelegentlich. Ist die Herdplatte einmal richtig eingestellt, läuft der Prozess meist sehr stabil und ein kurzer Blick zwischendurch reicht völlig aus.
Für mich überwiegen deshalb aktuell die Vorteile eines einfachen, robusten Systems: keine Elektronik, einfache Technik, lange Lebensdauer, oft selbst reparierbar, unabhängig von Software oder Sensoren, jahrzehntelang bewährt. Welche Modelle ich empfehle und worauf du beim Kauf achten solltest, habe ich im Artikel „Pressure Canner kaufen in Deutschland“ ausführlich zusammengestellt. Ob sich ein Pressure Canner für dich grundsätzlich lohnt, beantworte ich ehrlich im Artikel „Lohnt sich ein Pressure Canner wirklich?“
Das eigentliche Problem: Schlaues Marketing und Verwechslungen
Viele Menschen sehen heute Instant Pot, Multikocher, elektrischen Pressure Canner und Einkochautomaten und denken, das seien Varianten derselben Technik. Das sind sie nicht:
Ein Einkochautomat erhitzt Wasser. Ein Instant Pot kocht Essen, ist aber nicht für die Haltbarmachung von Lebensmitteln in Gläsern ausgelegt. Ein Pressure Canner ist das Gerät der Wahl für die sichere Konservierung säurearmer Lebensmittel. Bei elektrischen Pressure Cannern ist die Lage weniger eindeutig. Während Hersteller ihre Geräte teilweise als mit USDA-Richtlinien kompatibel bewerben, weisen Universitäten und Beratungsstellen darauf hin, dass die zugrunde liegenden Herstellerdaten nicht unabhängig überprüft werden können. Die aktuellen Empfehlungen von USDA, NCHFP und den meisten universitären Beratungsstellen basieren weiterhin auf klassischen Pressure Cannern für den Herd.
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Mein Fazit
Wenn du Marmeladen, Gelees, Fruchtsaucen oder andere säurehaltige Lebensmittel einkochst, brauchst du keinen elektrischen Einkochautomaten. Ein großer Topf reicht völlig aus. Wenn du säurearme Lebensmittel wie Bohnen, Kartoffeln, Brühen oder Suppen haltbar machen möchtest, führt kein Weg an einem echten Pressure Canner vorbei. Warum das so ist und was beim Einkochen im Pressure Canner wirklich zu beachten ist, erkläre ich dort ausführlicher.
Elektrische Pressure Canner bleiben für mich eine interessante Entwicklung. Allerdings bevorzuge ich weiterhin die klassische Variante auf dem Herd, weil einfach und geteste ist. Ein Metalltopf, ein Deckel, wenige Verschleißteile. Jahrzehnte bewährt, nachvollziehbar aufgebaut, oft selbst reparierbar.
Beim Einkochen gilt für mich dasselbe Prinzip wie bei vielem anderen: Je einfacher das Werkzeug, desto weniger kann schiefgehen. Was wirklich zählt, sind getestete Rezepte, das nötige Hintergrundwissen und die Bereitschaft, Einkochregeln zu befolgen. Das macht Einkochen sicher. Kein Gerät der Welt ersetzt das.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich einen elektrischen Einkochautomaten?
Nein. Ein großer Kochtopf erfüllt beim Wasserbad-Einkochen dieselbe Aufgabe zu einem Bruchteil des Preises, mit weniger Platzbedarf und der Möglichkeit, ihn auch für Eintöpfe, Pasta und alles andere zu nutzen.
Kann ich mit einem Instant Pot einkochen?
Nein. Der Instant Pot ist kein Einkochgerät. Er wurde weder für das Wasserbad-Einkochen noch für das Druckeinkochen entwickelt. Auch wenn einzelne Nutzer im Internet davon berichten, erfolgreich damit eingekocht zu haben, existieren dafür keine vom NCHFP getesteten Verfahren.
Ist ein elektrischer Pressure Canner sicher?
Das hängt vom konkreten Gerät ab. Pauschal unsicher sind sie nicht, aber auch nicht USDA-geprüft. Der Presto Precise Digital Pressure Canner wird vom Hersteller als mit USDA-Richtlinien kompatibel beworben. Das National Center for Home Food Preservation kann diese Angaben jedoch nicht unabhängig bestätigen. Im Zweifel gilt: genau hinschauen, welche Daten tatsächlich vorliegen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Einkochautomaten und einem Pressure Canner?
Ein Einkochautomat erhitzt Wasser für das Wasserbad-Einkochen – er arbeitet bei maximal 100 °C. Ein Pressure Canner arbeitet unter Druck und erreicht dadurch Temperaturen über 116 °C. Nur so lassen sich säurearme Lebensmittel sicher haltbar machen.
Warum empfehlen USDA und NCHFP keine Multikocher zum Einkochen?
Weil die getesteten Einkochzeiten für klassische Pressure Canner entwickelt wurden. Temperaturverläufe, Wärmeverteilung und Aufheizphasen können bei Multigeräten abweichen. Das sind genau die Faktoren, auf denen die Sicherheitsberechnungen beruhen.
Welcher Topf eignet sich fürs Wasserbad-Einkochen?
Jeder ausreichend große Kochtopf, in den deine Gläser passen und der tief genug ist. Die Gläser sollten beim Wasserbad-Einkochen vollständig mit Wasser bedeckt sein. Nach USDA-Empfehlungen befinden sich normalerweise etwa 2,5 bis 5 cm Wasser über den Deckeln. Mehr brauchst du nicht. Was du beim Kauf beachten solltest, erkläre ich im Artikel Einkochtopf – Finde den richtigen für dich



















